Die DMEXCO (Digital Marketing Expo & Conference) ist Europas führende Messe für digitales Marketing und Technologie. Einmal im Jahr treffen sich hier Marken, Agenturen, Plattformen und Technologieanbieter, um über die wichtigsten Entwicklungen der Branche zu sprechen und sich zu vernetzen. Dieses Jahr fand die DMEXCO am 17. und 18. September in Köln statt – und wir waren mittendrin. Für uns war es eine spannende Mischung aus Networking, fachlichem Austausch und neuen Impulsen. Hier sind unsere wichtigsten Eindrücke und Trends:
Überblick & Messecharakter
Die DMEXCO ist eine der zentralen Plattformen für Werbetreibende, technische Dienstleister und Plattformen. Neben vielen persönlichen Gesprächen bot vor allem das Vortragsprogramm wertvolle Einblicke in gesamtwirtschaftliche Entwicklungen und aktuelle Marketing-Trends.
Besonders positiv: Alle relevanten Entscheiderinnen und Entscheider der Branche waren vor Ort – von Kundenseite über Agenturen bis hin zu Technologieanbietern. Die Gespräche waren konzentriert, fokussiert und lösungsorientiert: keine Buzzword-Shows, sondern echter fachlicher Austausch und Networking mit Substanz.
Künstliche Intelligenz verändert Suchmarketing
Künstliche Intelligenz (KI) war – wenig überraschend – das Top-Thema der Messe. Besonders spannend:
- In den USA ist das Google-Suchvolumen durch KI-Chatbots bereits um 50 bis 60 % gesunken, in Deutschland liegt der Rückgang aktuell bei rund 20 % – und dürfte weiter steigen.
- Diese Entwicklung macht werbewirksame Werbeplätze knapper und teurer. KI-gestützte Sprachmodelle (LLMs) sind bisher nicht mit Werbung belegbar, was für Werbetreibende neue Herausforderungen schafft.
- Suchmaschinen-Agenturen reagieren, indem sie ihr Angebot breiter aufstellen und neue Partnerschaften eingehen. Für breit aufgestellte Agenturen wie uns ergeben sich dadurch neue Chancen, alternative Kanäle für Reichweite und Performance zu nutzen.
Auffällig ist auch ein gewisser „AI-Washing“-Trend: Viele Tools werden als KI vermarktet, setzen aber nur sehr eingeschränkt echte KI-Technologie ein. Konkrete, tiefgreifende Anwendungsfälle für Mediaagenturen sind bislang noch selten.
Bewegtbild ist eine feste Größe im Digitalmarketing
Ein weiteres starkes Signal: Video hat sich im Digitalbereich auf Augenhöhe mit Display etabliert (50:50). Die Gründe:
- Sinkende Reichweiten im klassischen, linearen Fernsehen
- Einfachere Videoproduktionstools
- Höhere Effektivität im Awareness-Funnel (die Phase, in der Markenbekanntheit aufgebaut wird)
Auch Connected TV (CTV) – also Streaming-Angebote, die über den Fernseher konsumiert werden – trägt maßgeblich zu diesem Wachstum bei. Wir merken die steigende Nachfrage nach CTV-Kampagnen sehr deutlich. Audio bleibt dagegen weiterhin ein kleineres Segment.
Ein wichtiges Thema war außerdem die Monetarisierung von Videoinventaren und die Annäherung von TV und Digitalvideo: Sender spielen ihre Inhalte längst nicht mehr nur linear, sondern auch über Mediatheken und Streaming-Plattformen aus. So entsteht ein integriertes Bewegtbild-Ökosystem, in dem Werbekampagnen plattformübergreifend geplant und gebucht werden können – inklusive neuer Buchungsmodelle wie Addressable TV (gezielt ansprechbare TV-Haushalte) und Programmatic Advertising (automatisierte Buchung von Werbeplätzen).
Die Botschaft: TV und Digitalvideo verschmelzen zunehmend – und machen Bewegtbildwerbung flexibler, messbarer und zukunftsfähiger.
Retail Media weiter auf Wachstumskurs
Retail Media – also Werbung direkt in den (digitalen) Kanälen von Händlern – war eines der meistdiskutierten Themen auf der DMEXCO. Und das aus gutem Grund:
- Vom Trend zur festen Kategorie: Was früher ein Zusatz im Mediamix war, wird heute als eigenständige Werbegattung betrachtet. Marken können ihre Zielgruppen direkt am Point of Sale (z. B. im Online-Shop) ansprechen.
- Breite Anbieterlandschaft: Neben den bekannten Größen waren dieses Jahr auch viele weitere Händlerplattformen präsent – ein klares Zeichen, dass Retail Media kein Amazon-only-Thema mehr ist, sondern zu einem vielfältigen Ökosystem heranwächst.
- Datengetrieben & messbar: Händler verfügen über wertvolle Kauf- und Transaktionsdaten. Damit lassen sich Kampagnen sehr zielgerichtet aussteuern und ihre Wirkung genau messen.
- Strategische Bedeutung: Gerade im Zuge des Wegfalls von Cookies bietet Retail Media Marken eine Chance, Kund:innen direkt und relevant anzusprechen.
Für Unternehmen wird Retail Media damit zu einem wichtigen Baustein, um Reichweite und Werbewirkung trotz veränderter Datenlage zu sichern.
DOOH: Gemeinschaft, Kreativität & Verantwortung
Im Bereich Digital Out-of-Home (DOOH) – also digitale Außenwerbung auf Screens im öffentlichen Raum – gab es weniger technische Neuheiten, aber eine starke gemeinsame Präsenz der Branche:
- Ein echtes Highlight war der erstmals von der IDOOH (Institute for Digital Out of Home Media) organisierte Gemeinschaftsstand in Halle 8. Mit spannenden Sessions, Best Cases und einer eigenen Networking-Area bot die „DOOH World“ den perfekten Rahmen, um Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.
- Die Branche stellte dort ihre 15 Meter LED-Wand der Pelorus Jack Foundation von Hannes Jaenicke zur Verfügung – ein starkes Signal für kreative Verantwortung und gesellschaftliches Engagement.
- Ein weiteres Highlight: der Creative Check Battle, bei dem Agenturen live ihre Motive präsentierten, die direkt mithilfe der KI-Lösung Neurons bewertet wurden.
Vernetzung auf höchstem Niveau
Besonders spürbar war in diesem Jahr, wie stark die DMEXCO als Netzwerk-Plattform funktioniert: Alle wichtigen Entscheider:innen waren vor Ort, von Marken über Agenturen bis hin zu Technologie- und Plattformanbietern. Die Gespräche waren konzentriert, fokussiert und lösungsorientiert – keine Show, sondern echter Austausch mit Substanz.
Großes Lob verdient auch die DMEXCO App: Sie erleichterte Terminplanung, Vortragsübersicht und Vernetzung und zeigte, wie gut digitale Event-Organisation funktionieren kann.
Fazit
Die DMEXCO 2025 hat gezeigt, wohin sich digitales Marketing entwickelt: KI, Video/CTV, Retail Media und DOOH prägen die Zukunft – und wer erfolgreich sein will, muss diese Kanäle strategisch denken und kombinieren. Gleichzeitig bleibt die Messe vor allem eines: ein zentraler Treffpunkt für Austausch und echte Business-Gespräche.
